Hier gehts zu

 

 

 

 

 

  

 

 


Meinungsrede von Leila Alssawapy / 7A

April 2014

Kann man sich durch Reisen bilden?

Liebe Mitschüler, liebe Mitschülerinnen,

„Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist.“ – Dieses Zitat stammt von Jean Paul, und ich hätte meine Vorstellung vom Leben und Reisen nicht besser ausdrücken können. Ist unser Leben nicht einfach eine lange Reise, auf der man lernt, Erfahrungen sammelt und sie weitergibt? In meinen Augen ist es das.

Und Bildung? Nach einer wundervollen Diskussion im Deutschunterricht von Frau Prof. Elgebaly habe ich herausgefunden, dass jeder eine eigene Vorstellung von Bildung hat. Nur um euch in meiner Rede nicht zu verwirren, möchte ich kurz definieren, was ich unter diesem Begriff verstehe. Bildung ist -ganz simpel ausgedrückt – Wissen erlangen. Egal wie, egal wo, egal wie viel, egal von wem und warum. Wichtig ist nur, dass man das neu Erlernte mindestens einmal selbständig durchdacht hat, um zu wissen, dass man nun ein bisschen mehr Macht über sich und diejenigen hat, denen man die Information mitteilt. Bildung hängt also damit zusammen, Neues kennen zu lernen, und das tut man meist, wenn man sein gewohntes Umfeld verlässt und auf Fremdes zugeht.

Kann man aber in einer Hotelanlage in Thailand Bildung erlangen? Wenn man sich genug Bücher mitnimmt, warum nicht? Aber ist es notwendig, in ein Land zu verreisen, das 11757 km weit entfernt liegt? Ist das überhaupt Reisen, wenn man sich den ganzen Urlaub über in seinem Liegestuhl bräunt und Cocktails schlürft? Ist das Lernen? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Dasselbe gilt für Kreuzfahrten. Ist es wirklich Reisen, wenn man an so vielen Orten war und trotzdem relativ wenig mitbekommen hat? Nicht nur, weil die Zeit begrenzt ist, die man zur Verfügung gestellt bekommt, auch weil es schwer ist, etwas wahrzunehmen, wenn man am Ende des Tages doch wieder auf demselben Schiff ist. Mir kommt es so vor, als ob man für kurze Zeit in etwas Neues eintaucht, und kaum öffnet man die Augen, um sich orientieren zu können, wird man wieder hinausgezogen. Fast so, als ob man nicht möchte, dass der Reisende mehr als den ersten Eindruck mitnimmt. Als ob die Besichtigung ein einfacher Tagtraum ist. Nicht real. Fantasie. Was aber jede Reise zu einer Wissensoase machen kann, sind die Menschen, die man auf der Reise kennen lernt. Es liegt nur an mir selbst, ob ich das Wissen, das in diesem Menschen schlummert, herauskitzeln kann oder nicht. Bei manchen ist das schwerer, bei anderen weniger schwer.

Letzten Sommer habe ich ein Buch gelesen, „Fünf Jahre meines Lebens“. Ein junger, deutscher Muslim reiste nach Pakistan, um fünf Wochen lang in verschiedenen Moscheen von verschiedenen Imamen in der arabischen Sprache und der Koran-Rezitation unterrichtet zu werden. Das ist also eine Reise, die man antritt, um gewollt Bildung zu erlangen. Was möglicherweise dabei geschieht, ist, dass man sich so auf eine Wissensquelle fokussiert und man somit die Augen vor anderen Möglichkeiten, Neues zu erlernen, verschließt.

Reisen. Wenn ich dieses Wort höre, dann denke ich an einen Rucksack. Reisen mit genau dem, was man braucht, und nicht mehr. Alleine oder mit seinen Liebsten. Genauso lange an einem Ort zu bleiben, wie es einem gerade in den Sinn kommt, nicht länger, nicht kürzer. Nichts, was einen drängt. Keine Verpflichtungen. Keine Termine. Neues entdecken. Zu Fuß. Kein Handy. Keine Erwartungen. Nur der Weg und du. „Der Weg ist das Ziel“. Und das ist wahr. Auf diese Weise kann man nicht anders, als sich zu bilden. Jeder Tag wird zu einer Herausforderung. Jeden Tag aufs Neue seine Grenzen ausloten. Ich glaube, es gibt keinen besseren Weg, sich selbst kennen zu lernen, als durchs Land zu ziehen, mit gerade so viel, wie man tragen kann. Ist es nicht eigentlich genau das, wonach wir unser Leben lang suchen? Sich selbst zu finden. Und zu lieben.

Wenn ich jetzt gefragt werde, ob man sich durchs Reisen bilden kann, dann antworte ich ganz konkret: „Ja“. Man lernt überall, wenn man nur seine Augen offen hält. Die Frage lautet also nicht, ob man sich Bildung aneignen kann, sondern viel mehr, ob man das Beste aus seiner Reise herausgeholt hat. Für mich wird die Antwort immer „Nein“ sein.

Danke für eure Aufmerksamkeit!

Anmeldung

Wer ist online?

Aktuell sind 150 Gäste und keine Mitglieder online

Schulerhalterverein

SOLMIT-Solidarisch miteinander

Präsident
FI Mag. Kenan Ergün
solmit@irgw.at

 

IBAN  AT23 1100 0086 0312 4200

BIC    BKAUATWW

Joomla Template by Joomla51.com